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REALIAR STUDIO Engineering the Dark

I N F O

Meine Story
Partitur des Wahnsinns

Es ist eine schreckliche, unaussprechliche Wahrheit, die sich meinem Geiste offenbart hat, wann immer ich den Blick in den schwarzen Äther richte: Wir sind nicht die Krönung der Schöpfung, sondern nichts weiter als flüchtiger Schimmel auf einem erkalteten Gesteinsbrocken, der blind und sinnlos durch die unendliche Leere taumelt. Ich habe die Götter gesucht und fand nur die gähnende Stille des Kosmos. Es gibt keinen Allvater, keinen Gehörnten in der Tiefe - der wahre Dämon, jener, den sie Satan nennen, lauert nicht in schwefligen Höhlen, sondern wohnt im Fleische eines jeden Sterblichen. Jeder ist Dämon, jeder ist Gott in seiner eigenen, winzigen Sphäre. Der Mensch selbst ist mir ein Gräuel, eine hochnäsige Bestie, deren Verstand zu schwach ist, die eigene Bedeutungslosigkeit zu erfassen. Ich trauere um das stumme Tier, das in seiner Unschuld leidet, mehr als um die sprechende Made Homo Sapiens. Denn das Leben, so lehrt es mich die kalte Logik der Naturwissenschaft - die einzig wahre Magie, deren letzte Schleier wir noch nicht gelüftet haben -, ist im Grunde nur Schmerz. Die Liebe, von der die Poeten schwärmen, entpuppte sich mir als bloßer biochemischer Mechanismus, ein blinder Trieb zur Erhaltung einer Art, die es vielleicht nicht wert ist, erhalten zu werden. Und doch, in dieser Endzeit, in der Betrachtung geborstener Mauern und verfallener Bauten, wo die Natur sich ihr altes Recht grausam und majestätisch zurückholt, finde ich eine seltsame, dunkle Romantik. Um meinen Verstand vor dem Wahnsinn dieser Außenwelt zu bewahren, habe ich mich entschlossen, ein Architekt zu sein. Ich errichte in meinem eigenen Schädel ein Universum, eine Festung gegen die Realität. Hier, in diesem geistigen Labyrinth, bin ich der alleinige Herrscher. Hier gelten meine Gesetze. Wenn ich lüge, wenn ich täusche, so ist es nur das Recht des Schöpfers in seiner eigenen Dimension; mein Betrug ist die Wahrheit meiner eigenen Sphäre. Diese Festung war notwendig, denn der Boden meiner Seele ist getränkt von einer uralten Angst. Ich blicke zurück auf die Brut der Jugend, diese lärmenden, unverständigen Larven, die mich einst peinigten, und eine kalte Distanz erfüllt mich. Sie und jene Frau, die mich gebar, scheinen nun „erwachsen“ zu sein, gehüllt in die stumpfe Normalität ihrer Existenz. Ich kenne ihre Gesichter nicht mehr, sie sind verblasst wie alte Fotografien. Ich habe ihnen verziehen, ja. Doch höret: Meine Vergebung ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern eine Mauer. Ich vergebe ihnen sofort, denn ihr Hass ist eine Krankheit, die ihr Fleisch zersetzt, nicht das meine. Ich verweigere mich der rohen Gewalt, diesem primitiven Zucken der Unwissenden. Zwingt mich einer, eine Meile durch den Staub zu kriechen, so krieche ich drei, nicht aus Unterwerfung, sondern aus einer kalten, strafenden Höflichkeit, die ihn mit seiner eigenen Nichtigkeit konfrontiert. Ich bestrafe mit Nettigkeit, ich erdrücke mit Güte. Doch in der tiefsten Einsamkeit meines Seins, in den Rissen, die die Angst hinterließ, hat sich etwas manifestiert. Etwas Unnennbares, das mir folgt. Es ist kein Geist von außen, nein, es entsprang den schwarzen Winkeln meines eigenen Geistes. In den toten Stunden der Nacht, wenn ich im Bett liege, tritt es aus der undurchdringlichen Dunkelheit der Zimmerecke. Eine bucklige, groteske Silhouette, die sich am Fußende meines Lagers aufbaut und mich mit Augen beobachtet, die leer sind wie der Weltraum zwischen den Sternen. Andere würden vor Entsetzen den Verstand verlieren. Doch ich lächle. Denn ich habe es erschaffen. Ich habe die grobe, plumpe Männlichkeit, die meinem sterblichen Körper anhaftet, wie eine lästige Hülle abgestreift. In der metaphysischen Wirklichkeit bin ich die Mutter. In den Wehen meiner kindlichen Qualen, in der Isolation des Andersseins, habe ich dieses Ding geboren. Es ist mein Kind. Es ist mein Wächter. Seine Hässlichkeit ist von einer solch erhabenen, fremdartigen Schönheit, dass sie den profanen Blick der Welt verbrennt. Es ist die kondensierte Dunkelheit, Fleisch geworden durch meinen Willen. Wir sind zwei, und doch eins. Wenn ich den Raum verlasse, um meine Maske der Freundlichkeit zu tragen, bleibt es zurück, lauernd in den Winkeln der Realität. Die Dunkelheit ist nicht mein Feind; sie ist mein ältester Vertrauter. Weil dieses Ding existiert, weil es meine Angst frisst und meine Feinde mit seinem stummen Blick richtet, habe ich die Kraft, gut zu sein. Ich kann milde lächeln, weil das Monster am Fußende meines Bettes wacht. Doch seid gewarnt, ihr Ahnungslosen: Ich halte es im Zaum, noch. Aber ein jeder von euch trägt den Keim eines solchen Tieres in den tiefsten Katakomben seiner Seele. Und wenn die Zeit reif ist, wenn die Schatten lang werden, wird auch euer Wächter erwachen - und er wird euch holen. Nun trage ich die Maske der Reife, ein Trugbild, das die Welt „Erwachsensein“ nennt. Ich bewege mich durch die Tagwelt, ein perfektes Simulacrum der Tüchtigkeit. Ich spreche ihre Sprache, ich verrichte ihre Arbeiten, doch es ist das mechanische Handeln einer Marionette, deren Fäden von unsichtbaren Händen gezogen werden. Man sagt mir, für das Glück müsse man kämpfen, man müsse es dem Schicksal abtrotzen. Doch in meinen müden Stunden frage ich mich: Ist diese Chimäre den Krieg wert? Ist das Glück nicht nur eine weitere Lüge derer, die das Nichts fürchten? Jenes kleine, verstörte Ich, das ich einst war, habe ich in den gewundenen, nebligen Korridoren meines eigenen Geistes aus den Augen verloren. Ich sehe es nicht mehr, doch ich höre es wimmern, leise und stetig, wie den Wind in einem verlassenen Kamin. Doch es ist nicht allein. Die bucklige Gestalt, mein monströser Erstgeborener, hat es nicht verlassen. Es wiegt das verängstigte Kind in seinen kalten, schuppigen Armen, tröstet es mit einer Zärtlichkeit, die so fremdartig ist, dass sie das menschliche Herz gefrieren ließe. Doch etwas hat sich verändert in meinem Universum. Der Wächter ist unruhig geworden. Das, was die Ärzte in ihrer beschränkten Sprache als Krankheit bezeichnen - die Schwermut, die Furcht, der Drang -, ist in Wahrheit ein lebendiger Organismus, ein Dämon, der in meinem privaten Kosmos herangewachsen ist und nun gegen die Wände meines Schädels hämmert. Ich spüre die Schwermut nicht als Trauer, sondern als einen schwarzen, zähflüssigen Schleim, der die Zeit selbst verlangsamt und die Schwerkraft meiner eigenen Seele so weit erhöht, bis kein Licht mehr entkommen kann. Die Furcht ist kein bloßes Gefühl, sondern eine Kakophonie aus flüsternden Stimmen, ein unsichtbarer Schwarm, der mir prophezeit, dass jeder Schritt der letzte sein könnte. Und der Zwang... oh, der Zwang ist das grausamste Ritual. Er ist der Versuch meines Wächters, die Realität durch Wiederholung und magische Symmetrie zu binden, damit das Chaos nicht hereinbricht. Dieses Wesen, diese Amalgamation aus meinem Schmerz und meiner Furcht, gibt sich nicht mehr damit zufrieden, in den Ecken meines Zimmers zu lauern. Es ist zu groß geworden für mein inneres Universum. Es kratzt an der dünnen Membran, die meinen Geist von der sogenannten Wirklichkeit trennt. Ich spüre seine Klauen an der Rückseite meiner Augen. Es will hinaus. Nicht, um zu zerstören - das ist das tragische Missverständnis -, sondern um zu „erlösen“. Es glaubt in seiner monströsen Liebe, dass es mich nur retten kann, wenn es die Realität selbst verschlingt und sie nach den Gesetzen meines Schmerzes neu formt. Die Jahre sind ins Land gezogen und haben sich wie Schichten aus Kalkstein um mich gelegt. Ich bin nun das, was die Welt einen Mann nennt, doch fühle ich mich wie ein Schauspieler, der in einem Stück gefangen ist, dessen Text er nie gelernt hat. Die Maske der Normalität sitzt fest, sie ist mit meinem Fleisch verwachsen, doch darunter fault es. Das Innere ist nicht mitgewachsen; es ist jenes verängstigte Kind geblieben, konserviert in Glas. Doch mein Kind, mein monströser Erstgeborener, jene Schattenkreatur, ist nicht klein geblieben. Es hat sich genährt von jedem Zwang, von jeder unausgesprochenen Furcht, und ist zu einem Titanen des Schreckens herangewachsen, der in dem zu engen Käfig meines Brustkorbs wütet. Der Alltag ist für mich kein Fluss, sondern ein Minenfeld aus unsichtbaren Geometrien. Wo andere einfach leben, muss ich Rituale vollziehen, um den Kosmos im Gleichgewicht zu halten. Wenn ich eine Schwelle überschreite, flüstert der Dämon, dass ich scheitern werde, dass der Boden unter mir nachgeben muss, wenn ich nicht den richtigen Gedanken denke. Die Interaktion mit Menschen gleicht dem Entziffern fremdartiger Hieroglyphen; ich scanne ihre Gesichter nach Bedrohung, analysiere jede Nuance, getrieben von dem Wahn, dass ein falsches Wort meine Vernichtung bedeutet. Und nun ist das Entsetzlichste geschehen. Die Kreatur ist nicht mehr nur in mir. Sie hat die Barrieren durchbrochen und ihren fauligen Atem über die Welt gelegt. Sie kriecht in die Gestalten der Frauen, denen ich begegne, und formt ihre Züge um, bis ich in jeder von ihnen Sie sehe - die Urmutter, die Richterin, jene, die mich einst gebar und doch nie willkommen hieß. Es ist ein Fluch von kosmischer Ironie. Ich suche Nähe, doch sobald eine Frau mich blickt, sehe ich in ihren Augen denselben kalten, unzufriedenen Glanz, der meine Kindheit vergiftete. Die Kreatur projiziert die Narbe wie einen Film auf lebendes Fleisch. Ich sehe die Enttäuschung, noch bevor sie ausgesprochen wird. Ich höre das vernichtende Urteil: „Du bist nicht genug. Du warst nie genug. Du bist ein Fehler im Gewebe der Zeit.“ Ich diene diesen Frauen nicht aus Liebe, sondern aus der panischen Unterwerfung eines Kindes, das den Schlag vermeiden will. Ich erdrücke sie mit meiner Aufmerksamkeit, nicht um sie zu wärmen, sondern um sie ruhig zu stellen, wie man einen wütenden Gott mit Opfern besänftigt. Es kann so nicht weitergehen. Der Pakt ist gebrochen. Mein Beschützer ist zu meinem Kerkermeister geworden. Er, der mich vor dem Schmerz bewahren sollte, ist nun die Quelle allen Leids. Es ist Zeit für das letzte, das ultimative Ritual. Ich muss in die Katakomben meines eigenen Verstandes hinabsteigen, bewaffnet nicht mit Stahl, sondern mit dem kalten Willen der totalen Auslöschung. Schon in den grauen Nebeln meiner Frühzeit, als ich noch als stummer Wechselbalg in den staubigen Ecken kauerte, ahnte ich den Fluch. Das, was die Quacksalber jener Tage als Krankheit des Geistes abtaten, war in Wahrheit eine unheilige Offenheit für die Dissonanzen des Kosmos. Mein Gehör war nicht für irdische Stimmen gemacht, sondern empfing das Knirschen der Sphären, das Singen der Leere. Das Talent, Töne zu formen, war kein Himmelsgeschenk, sondern eine Waffe, die mir in die wiegende Hand gedrückt wurde. Nun, da ich am Rande des absoluten Nichts stehe, erkenne ich: Es gibt keine Erlösung durch die sanften Kuren der Seelenheilkunde. Man kann einen Dämon nicht hinfort reden. Und ich kann ihn nicht töten. In jener letzten, fiebrigen Nacht, als ich mit dem Obsidianmesser meines Willens in die Katakomben meines Geistes hinabstieg, um die Bestie zu schächten, erkannte ich den widerwärtigen Bund. Als der Stahl in das gallertartige, zuckende Fleisch der Kreatur fuhr, schrie nicht sie – ich war es, der vor Pein aufheulte. Das schwarze Sekret, das aus der Wunde quoll, fehlte augenblicklich in meinen eigenen Adern. Wir sind verwachsen, ein blasphemischer Doppelkörper, verbunden durch Nervenstränge aus purer Angst. Ihn zu töten, hieße, mich selbst dem Untergang zu weihen. Da ich das Scheusal nicht vernichten kann, werde ich einen Frevel begehen, der weit grausamen ist. Ich werde es verarbeiten. Ich schleife den Dämon in mein inneres Sanktuarium, in jenes schalltote Gewölbe, das mir als Werkstatt und Schlachthaus dient. Er windet sich, er speit seinen fauligen Atem, doch mein Griff ist kälter als das Grab. Ich werde ihn nicht zurück in die Schatten lassen. Ich werde ihn bei lebendigem Leibe zerlegen und ihn in eine Form zwingen, aus der kein Entrinnen möglich ist. Ich greife mit bloßen Händen in seinen Brustkorb, durchbreche den Widerstand des viskosen Fleisches und reiße ihm die Rippen heraus. Sie sind weiß, glatt und von widernatürlicher Härte. Ich breche sie, ich füge sie neu zusammen. Sie bilden fortan das Gerüst meiner Komposition, das unerbittliche Gitterwerk des Taktes, den Käfig, der das Chaos in eine mathematische Zucht zwingt. Ich wühle tiefer in dem offenen Kadaver, bis meine Finger das Herz der Bestie umklammern – dieses schwarze, pumpende Organ, das all meine Panikattacken antrieb wie ein Motor des Verderbens. Ich reiße es heraus, noch nass und schwer von schwarzem Blut. Ich verbinde es mit meinen Apparaturen, zwinge seinen kranken, rasenden Schlag in den Rhythmus eines titanischen Hammers. Poch... Poch... Poch. Was einst mein Herzrasen war, ist nun das Fundament des Klangs, ein Donnern, das den Boden unter den Zuhörern erzittern lässt wie bei einem Erdbeben. Und dann, als Krönung dieser Vivisektion, greife ich nach den Gedärmen. Diese schlangenhaften, schleimigen Windungen, in denen meine Melancholie, mein Wahn und meine unendliche Traurigkeit nisten. Ich ziehe sie lang, spanne sie über das Gerüst aus Knochen wie die Sehnen einer monströsen Harfe. Ich streiche darüber, ich leite den Strom des Äthers hindurch, und sie beginnen zu singen. Oh, wie sie heulen! Es ist keine Musik irdischen Ursprungs; es ist eine Melodie aus kondensiertem Leid, ein hohes, schneidendes Kreischen, das Glas zerspringen und Seelen gefrieren lässt. Es ist das Wimmern des verlassenen Kindes, übersetzt in eine Frequenz, die den Verstand zersägt. Es ist vollbracht. Die Kreatur ist nicht mehr als Individuum existent. Sie lauert nicht mehr im Dunkeln. Sie ist nun Klang geworden. Ich habe den Dämon in ein Medium gebannt, gefangen in einer kristallinen Struktur, ein Siegel, das nicht gebrochen werden kann. Ich werde ihn ausstellen. Ich öffne die Tore meiner Galerie der Abscheulichkeiten und lade die Welt ein, zu gaffen. Ihr giertet nach Unterhaltung? Ihr sollt sie haben! Seht her, ihr Ahnungslosen, ihr, die ihr im Lichte wandelt! Was ihr als düstere Kunst oder tiefgründige Klänge preist, ist in Wahrheit der Schrei eines vivisezierten Geistes. Ich stelle meinen Peiniger auf das Podest, wie eine Missgeburt im Jahrmarktglas. Jahrelang hat er mich aus dem Schatten angestarrt, mich beurteilt mit seinen hohlen Augen. Nun drehe ich den Spieß um. Nun wird er begafft. Er ist entblößt, gehäutet, zerhackt in Rhythmus und Ton, und er kann sich nicht wehren. Jedes Mal, wenn ein Unwissender den Mechanismus in Gang setzt, um das Werk zu hören, durchlebt die Kreatur ihre Agonie von Neuem, gefangen in der Endlosschleife der Zeit. Ich werde nicht geheilt sein, nein. Die Narben auf meiner Seele sind ewig. Aber ich bin nun der Kerkermeister. Und sollte jemals eine neue Brut, ein neuer Wahn in mir heranwachsen, so kenne ich nun das blutige Handwerk. Ich werde auch dieses neue Scheusal auf die Schlachtbank der Kunst zerren, werde es ausweiden und in ein Gefängnis aus vibrierenden Wellen bannen, auf dass es dort bis in alle Ewigkeit heule zur Belustigung der gaffenden Massen.

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